Gowon Choi: Die Universialität der Hermeneutik
Die hermeneutische Debatte ist aus der Konflikt zwischen dem Anspruch auf die Geschichtlichkeit des Verstehens und dem Versuch zur Reflexion darüber hervorgegangen. Gadamer hat jene als den universalen Charakter des Verstehens begriffen, und Habermas hatte die Absicht, den Bereich der kritischen Reflexion bis zur Geschichtlichkeit zu erweitern. Im Verlauf der Debatte hat Habermas die Psychoanalyse - konkret gesagt, das szenische Verstehen A. Lorenzers - als die einzige Ausnahme von der Universialität der Hermeneutik genannt. Im szenischen Verstehen konnte der Analytiker durch die spezielle Methode herausfinden, was die symptomatische Äußerung des Patienten bedeutet, und dadurch konnte der Patient seine Neurose überwinden. Aber die Tatsache, dass die Geschichtlichkeit des Verstehens auf der Sprachgemeinschaft beruht, zeigt klar, dass die Psychoanalyse sich über Einzelne hinaus auf die Gemeinschaft nicht anwenden lässt. Daraus ergibt sich, dass die Psychoanalyse nicht das Gegenstück der Universialität der Hermeneutik werden kann, und es sieht so aus, als ob die hermeneutische Debatte somit erledigt wäre. Trotzdem zeigt die Psychoanalyse erfolgreich, wie die Bedeutung der desymbolisierten symptomatischen Äußerung des Patienten entdeckt und wieder symbolisiert wird. Demzufolge muss die hermeneutische Debatte zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehren, und hier muss Gadamer wieder folgende Frage beantworten: "Kann die Psychoanalyse eine Ausnahme von der Universalität der Hermeneutik werden?"
Diese Frage verlangt von Gadamer nicht, dass er bestätigen soll, die Psychoanalyse nicht auf ihre Außenseite anwenden zu können, sondern dass er die innere Struktur der Psychoanalyse hermeneutisch erklären soll.