[ Philosophisches Seminar ]

Übersicht der Lehrveranstaltungen des philosophischen Seminars




 

PS

Titel der Veranstaltung

Wissenschaft und Mythos

Leitung

Univ.-Prof. Dr.
A. Häußling

Ort

P 12

Beginn

17. 4. 2001

Wochentag

Dienstag

Zeit

10 s.t. - 11.30

Teilprüfung

-

Gewichtung

Proseminar

Leistungsnachweis

Referat, Klausur oder Hausarbeit

Voraussetzungen

Grundkenntnisse, was Aufgabe, Entwicklung, sprachlichen Aufbau, Methoden und Praxis einer Wissenschaft und was Anliegen, Erscheinungsweise und Geschichte eines Mythos betrifft.

Gegenstand der Veranstaltung

Für uns Moderne steht fest: wir sind wissenschaftspflichtig. Wo immer sachlich-objektive Entscheidungen anstehen, fragt man: was sagt die (einschlägige) Wissenschaft dazu? Anerkannte Zeitanalytiker machen aber auch darauf aufmerksam: Der Mensch ist heute mythenproduktiv, ja sogar mythenpflichtig bis in die Werbung, bis in Massenmedien hinein. Eine vertrackte, denkwürdige Situation, die unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen hat! Die wichtigsten betreffen die wissenschaftliche Arbeit am Mythos/an den Mythen, und zwar im Rahmen einer multidisziplinären Mythosforschung. In ihrem Visier sind vor allem Mythostheorien, die auf Inter- und Transkulturalität abheben. Manches Ergebnis dieser Arbeit läßt aufhorchen: so u.a. Blumbergs Einsicht, wonach die Kritik der Mythen die Mythen der Kritik schaffe (Arbeit am Mythos), oder Horkheimer und Adornos Feststellung gegenüber dem beliebten Fortschrittsthema Mythos - Aufklärung: "schon der Mythos ist Aufklärung, und: Aufklärung schlägt in Mythos zurück" (Dialektik der Aufklärung). Bei dieser komplexen Sachlage gilt es zu fragen, inwiefern die Rezeptions- und Produktionsgeschichte des Mythos und der Wissenschaft als Indikator für unser Wirklichkeitsverständnis anzusehen ist.

Inhaltliches/Methodisches Vorgehen

An geeigneten Beispielen wird verdeutlicht, worin Anspruch und Gestaltung von Wissenschaft und Mythos bestehen, wie beide sich historisch entwickelt haben und in welcher Konstellation sie sich heute zueinander befinden. Genauer heißt dies, nach Funktion und Realität des postmythischen Mythos angesichts einer Wissenschaft zu fragen, die betont selbstreflexiv geworden ist. Dabei gilt das besondere Augenmerk gerade den Grenzzonen beider, wonach offenbar ein uneinholbares Bedeutungspotential des Mythischen zugleich einen - wiederum problematischen - Verzicht auf definitorische Abgrenzungen nahelegt.

Didaktische Vorgehensweise

Ein elementarer Text dient als Zugang zur Thematik. In der Auseinandersetzung mit ihm werden in einem zweiten Schritt wichtige Konstitutions- und Bewertungskriterien von Wissenschaft und Mythos schrittweise erarbeitet. Ihre Überprüfung erfahren sie anschließend am Beispiel einer aktuellen Mythosforschung, die zugleich als Leitfaden in der gegenwärtigen Auseinandersetzung zwischen Wissenschaft und Mythos dienen soll.

Artikel/Literatur zur Einführung

Blumenberg, Hans: Arbeit am Mythos, Frankfurt a. M.2 1981.

Horkheimer, Max und Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung: Philosophische Fragmente, Frankfurt a. M. 1982.

Horstmann, Axel: Der Mythosbegriff vom frühen Christentum bis zur Gegenwart, in: Archiv für Begriffsgeschichte, 23 (1979), S. 7 - 55 u. 197 - 245.

Mohn, Jürgen: Mythostheorien. Eine Religionswissenschaftliche Untersuchung zu Mythos und Interkulturalität, München 1998.

Radnitzky, Gerard: Wissenschaftlichkeit, in: Handlexikon zur Wissenschaftstheorie, hrsg. v. H. Seiffert & G. Radnitzky, München 1989, S. 399 - 405.

Seiffert, Helmut: Wissenschaft, in: Handlexikon zur Wissenschaftstheorie, hrsg. v. H. Seiffert & G. Radnitzky, München 1989, S. 399 - 405.

Gewünschte Vorbereitung der TeilnehmerInnen

An aktuellen Auseinandersetzungen mit Mythos/Mythen sollte deutlich geworden sein, dass die Wissenschaft in diesem Kontext den Rang einer entscheidenden Erkenntnisvoraussetzungen einnimmt, ohne jedoch eindeutig ein Mythos-Verdacht von sich selbst abweisen zu können.