PS

Titel der Veranstaltung

Romane des Existentialismus

Leitung

Andreas Hütig

Ort

P 206

Beginn

16.04.02

Wochentag

Dienstags + Blocksitzung

Zeit

12 – 14 Uhr

Teilprüfung

möglich

Gewichtung

inhaltlich und methodisch

Leistungsnachweis

Textpatenschaft + Essay oder Hausarbeit

Voraussetzungen

Da eine philosophische, keine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung geplant ist, ist die Kenntnis der literarischen Werke notwendige Voraussetzung. Zur Überprüfung derselben ist von allen Teilnehmenden zum Ende der ersten Phase (s.u.) eine schriftliche Zusammenfassung eines der Werke sowie ein Thesenpapier mit Ansätzen philosophischer Interpretation abzugeben. Ebenso gehört die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe (s.u.) zu den Voraussetzungen.

Gegenstand der Veranstaltung

Die wohl letzte Gruppe von Intellektuellen, die philosophisch und literarisch Weltgeltung erlangt haben, ist die, die unter dem Etikett ‚französischer Existentialismus’ firmiert. Selbst wenn diese Bezeichnung eher eine Mode benennt, lassen sich Bedeutung und Gemeinsamkeiten, aber auch große Unterschiede nicht leugnen. Der Erfolg der literarischen Werke überstrahlte dabei zumeist die Rezeption der Philosophien. Im Seminar sollen mit Sartres „Der Ekel“, Camus’ „Der Fremde“ und Beauvoirs „Sie kam und blieb“ drei wichtige, relativ frühe Romane der Hauptvertreter auf ihren philosophischen Gehalt hin untersucht werden. Sie schildern Sinnverluste, Sinnfindungen und existentielle Erfahrungen im Umgang mit sich selbst und den anderen in einer Welt, in der traditionelle Werte fragwürdig geworden sind. Die literarische Form stellt darüber hinaus eigene Fragen: Ist die Literatur ‚nur’ Illustration der Theorien? Welche Rolle spielt der literarische Stil, welche der Begriff der ‚littérature engagée’, und ist ein massenkompatibles „Ideentheater“ (Adorno) der angestrebten Befreiung des Individuums nicht gerade entgegensetzt? „Il faut choisir: vivre ou raconter.“ (A. Roquentin) – auch diesen Spannungsverhältnissen will das Seminar nachgehen.

Inhaltliches/Methodisches Vorgehen

In einer ersten Phase erarbeiten wir anhand von kürzeren theoretischen Texten ein Verständnis der jeweiligen philosophischen Positionen und der Theorien der Kunst und stellen Überlegungen zum philosophischen Umgang mit literarischen Werken an. Diese werden anschließend auf einer Blocksitzung an den genannten Romanen angewandt. Zentrale inhaltliche Themen sind Subjektivität, Kontingenz, Absurdität, Freiheit, Humanismus, Engagement, Körperlichkeit und Sozialität. Dabei wird uns auch das beschäftigen, was durch die literarischen Formen zusätzlich ins Spiel kommt. Wir verwenden die deutschen Übersetzungen (Rowohlt-Verlag); eventuell wird es ein Lektüretutorium mit den französischen Texten geben.

Didaktische Vorgehensweise

Das Seminar soll, v.a. im zweiten Teil, in hohem Maße (!) auf den Beiträgen und Untersuchungen der Teilnehmenden beruhen. Nachdem in den ersten Wochen die theoretischen Texte durch Textpatenschaften vorgestellt wurden, finden keine wöchentlichen Sitzungen mehr statt. Die Teilnehmenden treffen sich selbstständig und bereiten in Arbeitsgruppen Analysen der einzelnen Werke vor, die sie auf einer Blocksitzung Ende Juni vorstellen.

Artikel/Literatur zur Einführung

Sartre, Jean-Paul: Der Existentialismus ist ein Humanismus, in: ders: Der Existentialismus ist ein Humanismus und andere philosophische Essays, Reinbek 2000.

Gewünschte Vorbereitungen der Teilnehmerinnen

Die Romane erwerben, gerne auch schon lesen. Sartres Humanismus-Aufsatz lesen. Gedanken über das eigene Interesse an den Romanen machen. Den gesamten Kommentar ernst nehmen.