Gegenstand der
Veranstaltung
Diese vierte und letzte
Vorlesungsreihe wird sich jetzt – nachdem wir im ersten Semester das Problem
des phänomenalen Bewusstseins untersucht haben, im zweiten das phänomenale
Selbst und die Perspektive der Ersten Person und im dritten Semester die
neuere Diskussion des Leib-Seele-Problems nach Ryle - der Frage nach dem Gehalt mentaler Zustände zuwenden: Was
heisst es eigentlich, dass geistige Zustände eine Bedeutung haben? Was genau ist „Intentionalität“, die
Gerichtetheit des Mentalen auf einen Gegenstand, und in welchem Sinne kann
man sagen, dass mentale Zustände eine eigene Semantik besitzen? Kann
Intentionalität naturalisiert werden und/oder gibt es Aspekte des
menschlichen Geistes, die sich z.B. prinzipiell niemals auf einem künstlichen
System realisieren lassen? Die Veranstaltung bildet eine in sich geschlossene
Einheit, es ist nicht unbedingt erforderlich, die vorangegangenen Vorlesungen
oder Seminare besucht zu haben. Unbedingt notwendig ist dagegen die
Bereitschaft, regelmässig die angegebenen Texte zu lesen.
Der auf mehrere Semester
angelegte Vorlesungszyklus versucht - in Kombination mit einem
begleitenden Hauptseminar - eine
gründliche Einführung in die moderne Philosophie des Geistes anbieten. Die
Philosophie des Geistes ist nach allgemeiner Auffassung seit geraumer Zeit
die Leitdisziplin innerhalb der theoretischen Philosophie. Dementsprechend
ist in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts die inhaltliche
Komplexität der Debatte in ihrer argumentativen Dichte, der internationalen
Vernetzung und in ihrem stetig steigenden Tempo nur noch schwer zu
überschauen. Die wichtigste Funktion der Vorlesung wird deshalb darin
bestehen, schrittweise einen zuverlässigen und systematischen Zugang in den
Dschungel der gegenwärtigen Theoriebildung in den Bereichen „Geist“ und
„Bewusstsein“ zu entwickeln. Dabei sollen jedoch zwei zusätzliche
Schwerpunkte gesetzt werden. Erstens geht es darum, später auch zu zeigen,
auf welche Weise die aktuelle Diskussion in früheren Stationen der
Problemgeschichte im 18. und 19. Jahrhundert verankert ist (z.B. bei Brentano
oder Wittgenstein). Zweitens wird die Vorlesung die interdisziplinären
Verflechtungen beleuchten, die sich zwischen der Philosophie des Geistes und
den Neuro- und Kognitionswissenschaften, der Künstliche-Intelligenz-Forschung,
der Robotik usw. entwickelt haben.
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