HS

Titel der Veranstaltung

Arbeit und Handlung (Aristoteles, Hegel, Marx)

        Leitung

K.-D. Eichler

Ort

P 12

Beginn

29.10.2002

Wochentag

Dienstag

Zeit

18:00-19:30

Teilprüfung

möglich

Gewichtung

 

Leistungsnachweis

Referat oder Hausarbeit

Voraussetzungen

Abgeschlossenes Grundstudium

Gegenstand der Veranstaltung

Im Mittelpunkt des Seminars steht die terminologisch auf Aristoteles zurückgehende Unterscheidung menschlichen Tätigkeiten in Handeln und Hervorbringen/Arbeit (prattein bzw. praxis und poiein bzw. poiesis). Wenn Tätigkeiten als Mittel zur Erreichung von äußerlichen Zwecken aufgefasst wird, spricht Aristoteles von Herstellungshandlungen. Dieses Tun wird durch ein Fachwissen (techne) geleitet. Hierbei wird über Handlungen als Mittel zu beliebig qualifizierten Zielen disponiert. Für das Handeln als praxis ist entscheidend, dass der Zweck der Handlung nicht als tätigkeitsextern unterstellt wird. Eine Handlung wird um ihrer selbst willen ausgeführt, ihr Zweck ist reine Bewegung und Tätigkeit (energeia) und nicht die Bestimmtheit eines Produkts (ergon). Für das Gelingen einer Handlung ist die Klugheit (phronesis) zuständig. Innerhalb einer Hierarchie menschlicher Verrichtungen ist die poiesis der praxis subordiniert.

Hegel argumentiert vor dem Hintergrund der Rezeption des Arbeitsbegriffs der bürgerlichen Ökonomie. Dadurch gelingt es ihm, den Bezug von poiesis und praxis neu zu denken. Nach dem aristotelischen Modell der poiesis gibt es zwischen der Arbeit  und dem Arbeitenden keinen Rückbezug. Die Arbeit erlischt im Produkt und hat keinen Wert für die Bildung des Subjekts. Das hegelsche Modell kulminiert im Begriff der Entäußerung. Den Prozeß der Arbeit interpretiert Hegel nicht als Übertragung einer dem Arbeitenden äußeren Form auf eine ihm äußerliche Materie, sondern als seine Entäußerung. Die Dialektik von Arbeit und Handlung macht Hegel in exemplarischer Weise im Abschnitt Herrschaft und Knechtschaft in der Phänomenologie des Geistes zum Gegenstand einer Analyse.

Marx’ Kritik an Hegels Verständnis von Arbeit und Handlung moniert den Idealismus des Hegelschen Vermittlungsmodells. Arbeit wird nun als Vergegenständlichung gedacht. Unter Wiederaufnahme aristotelischer Motive gelingt es ihm, im Begriff der Praxis eine Konzeption der Vermittlung von Arbeit und Handlung zu formulieren, deren Interpretation wir im Seminar anhand einer Lektüre der Ökonomomisch-philosophischen Manuskripte durchführen werden.

Inhaltliches/Methodisches Vorgehen

Gründliche Lektüre und Interpretation der entsprechenden Textpartien aus der Nikomachischen und der Eudemischen Ethik und der Metaphysik des Aristoteles; Auszügen aus Hegels Jenaer Realphilosophie und Phänomenologie des Geistes sowie Marx Ökonomisch-philosophische Manuskripte und Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie.

Didaktische Vorgehensweise

Nach Absprache werden kontinuierlich die einzelnen Texte interpretiert und der Bezug zum übergreifenden Thema hergestellt.

Artikel/Literatur zur Einführung

Artikel zu Arbeit und Praxis aus dem Historischen Wörterbuch der Philosophie