Gegenstand der
Veranstaltung
Unter „Klugheit“ wird allgemein eine spezifische Form von
Wissen verstanden, durch das ein Handelnder primär sein Selbstinteresse
langfristig und erfolgreich wahrzunehmen in der Lage ist. Klug ist gemäß
diesem Verständnis jemand, der ein Wissen davon besitzt, wie er durch sein
Tun für sich oder für mehrere das
Beste erreichen kann. Die in der Geschichte der Philosophie auftretenden
Klugheitsbestimmungen unterscheiden sich nun vor allem in der Bestimmung
dessen worin dieses jeweils Beste besteht und mit welchen Mitteln es zu
erreichen ist.
Eine noch nicht auf das Modell
technischen Wissens reduzierte Form von Klugheit
liegt in der aristotelischen Konzeption der phronêsis vor. Sie ist diejenige zu einer besten Verfassung
(areté) habituell ausgebildete Fähigkeit; Mittel und Wege im Bereich dessen
ztu finden, was für den Menschen gut ist. Gut ist aber für den Menschen
dasjenige, was zu seinem Glück beiträgt: Moralisch zu Handeln wäre also durchaus klug und
umgekehrt.
Im ersten Teil der Vorlesung
soll deshalb vor allem das aristotelische Modell der Klugheit als einer
Tugend des Verstandes erläutert werden. Daran schließen sich Erläuterungen
zur Bestimmung der Klugheit im
Hellenismus, im christlichen Mittelalter (Thomas), in der Neuzeit
(Machiavelli, Gracian, Hume und Kant) sowie zu zeitgenössischen Versuchen der
Rehabilitierung einer nicht zur „bloßen Geschicklichkeit in der Wahl der
Mittel zu seinem eigenen Wohlsein“ (Kant) degenerierten Klugheit an.
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