HS

Titel der Veranstaltung

Paul Ricœur: Philosophie und Erzählung

Leitung

S. Grätzel

Ort

SB II  03-436

Beginn

30.10.03

Wochentag

Do

Zeit

11.30 – 13 h

Teilprüfung

/

Gewichtung

/

Leistungsnachweis

Stundenprotokolle und Semester-

abschlussbericht oder Hausarbeit

Voraussetzungen

abgeschlossenes Grundstudium

Gegenstand der Veranstaltung

Sich zunächst einer umfassenden Analyse des Willens widmend, sucht Paul Ricœur in phänomenologischer Methode Strukturen des menschlichen Willens zu beschreiben. Von der Existenzphilosophie geprägt, kritisiert Ricœur dabei die idealistische Gestalt der Phänomenologie Husserls. Die ursprüngliche Methode der direkten Beschreibung eines menschlichen Phänomens wird für Ricœur durch eine neutrale Beschreibung von dessen strukturellen Bedeutungen in Frage gestellt. Zum zentralen Anliegen Ricœurs wird u. a. die Unterscheidung zwischen den beiden Größen „Endlichkeit“ und „Schuld“. Wie aber lässt sich Schuld bzw. die Erfahrung von Schuld beschreiben? Mit Blick auf alltagssprachliche Phänomene sucht Ricœur sich dieser Problematik anzunähern, wobei er eine Wende in seiner Methodik von der strukturellen Phänomenologie zur hermeneutischen Phänomenologie vollzieht. Denn die grundlegenden Erfahrungen, von denen der Mensch in einer indirekten Sprache spricht, verlangen eine Deutung, wobei deren Bedeutung nicht unmittelbar gegeben ist. In seiner weiteren Entwicklung vertieft Ricœur diese Wende in einer erweiterten Analyse des symbolischen, indirekten Selbstverhältnisses des Menschen, welches sich in dem Phänomen äußert, dass sich der Mensch indirekt zu sich selbst verhält, indem er eine ‹andere›, fiktive Welt auf der scheinbar direkt gegebenen Welt aufbaut - durch Mythen, Literatur, Kunst, Film usw. Welche Antwort bzw. welche Möglichkeit einer Antwort stellt nun die philosophische Hermeneutik Ricœurs im Hinblick auf die Frage nach der Bedeutung dieses Phänomens dar? Dies ist eine der Fragen, die gemeinsam im Seminar anhand einschlägiger Textpassagen aus dem Werk Ricœurs kritisch untersucht werden sollen.

Weitere Informationen finden Sie im laufenden Semester und in den Semesterferien unter: http://www.philosophie.uni-mainz.de/graetzel/

Inhaltliches/Methodisches Vorgehen

primäre Erarbeitung der Texte

Artikel/Literatur zur Einführung

Zur Einführung:

Mattern, Jenns: Paul Ricœur zur Einführung, Hamburg 1996: Junius.

Böhnke, M: Konkrete Reflexion. Philosophische und theologische Hermeneutik. Ein Interpretationsversuch über Paul Ricœur, F `83

Die Seminarliteratur wird zu Beginn des Semesters besprochen und bekannt gegeben.

Gewünschte Vorbereitungen der Teilnehmerinnen

Einführende Beschäftigung mit dem Denken Paul Ricœurs.