HS

Titel der Veranstaltung

Modalmetaphysik

Leitung

Prof. Dr. M. Dreyer

Ort

P 108

Beginn

03.11.2004

Wochentag

Mi.

Zeit

16:15 – 17:45

Teilprüfung

 

Gewichtung

Gleichermaßen inhaltliche wie methodische Ausrichtung

Leistungsnachweis

Hausarbeit

Voraussetzungen

geprüfte Latein-, Englisch- und Französischkenntnisse

Gegenstand der Veranstaltung

In der klassischen Metaphysik oder Ontologie werden in bezug auf Gegenstände und Sachverhalte verschiedene Weisen (Modi) zu sein unterschieden. Etwas kann möglich bzw. unmöglich, wirklich oder notwendig bzw. zufällig/kontingent sein. Aus dem jeweiligen Modus, wie die Dinge gegeben sind, ergeben sich eine Reihe von philosophischen Problemen. Schon Aristoteles behandelt solche Fragestellungen. Ist es für ihn zweifelsfrei, daß Gegenstände, wenn sie notwendig sind, vom Menschen sicher erkannt werden können, so gilt dies nicht von Dingen, die sein, aber auch nicht sein können, die m. a. W. kontingent sind. Hier gibt es zudem logische Schwierigkeiten: Unter welchen Bedingungen ist ein Satz über einen kontingenten Sachverhalt wahrheitsfähig? Für die mittelalterliche und die frühneuzeitliche Philosophie (Scotus, Leibniz u.a.) kommen weitere Probleme hinzu. Geht man von Welt als Schöpfung Gottes aus und davon, daß dem Vollzug der Schöpfung ein Vollzug von Erkenntnis ‚vorausgeht’, so könnte Gott viele mögliche Welten erkennen, von denen er als ein Wesen freier Selbstbestimmung dann eine tatsächlich geschaffen hat. Vor diesem Hintergrund wäre das metaphysisch bzw. ontologisch Mögliche das Noch-nicht-Wirkliche, das als ein verwirklichtes zugleich ein kontingentes Seiendes ist. Welchen (ontologischen) Status haben solche möglichen Welten? Gibt es am ontologisch Möglichen auch Aspekte von Notwendigkeit?

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Modalmetaphysik als eigener Zweig der Philosophie etabliert, einerseits vom Begriff möglicher Welten aus, andererseits z. B. vom Zusammenhang von Vermögen und Möglichkeit oder Denkbarkeit und Möglichkeit her. Eine davon verschiedene Form von Modaltheorie entwickelt Bergson, der die üblicherweise mit dem Möglichkeitsbegriff bearbeiteten Problemzusammenhänge unterschiedlichen Begriffen zuweist (Möglichkeit, Virtualität, Tendenz) und den Möglichkeitsbegriff als heuristisches Instrument des Verstandes begreift.

Inhaltliches/Methodisches Vorgehen

Das Hauptseminar will anhand ausgewählter Texte von Aristoteles, Johannes Duns Scotus , Nicolaus Cusanus, Leibniz und Bergson die Entwicklung modaltheoretischer Fragestellungen durch die Philosophiegeschichte verfolgen, gegebene Antworten argumentativ rekonstruieren und auf ihre Tragfähigkeit hin kritisch überprüfen.

Artikel/Literatur zur Einführung

& H. Bergson: Le possible et le réel, in: ders., La pensée et le mouvant. (Œuvres), Paris 1959; M. Loux (Hg.): The possible and the actual. Readings in the metaphysics of modality, Ithaca/New York 1979, 1988; S. Knuuttila (Hg.), Reforging the great chain of being, Studies of the history of modal
theories, Dordrecht 1981; S. Knuuttila/J. Hintikka (Hg.), The logic of being.
Historical studies, Dordrecht 1986; S. Knuuttila (Hg.), Modern Modalities, Dordrecht 1988; J. R. Söder, Kontingenz und Wissen. Die Lehre von den futura contingentia bei Johannes Duns Scotus, Münster 1998 (Lit.);
H. Lagerlund, Modal Syllogistics in the Middle Ages, Leiden 2000; Th. Buchheim: u.a. (Hg.): Potentialität und Possibilität. Modalaussagen in der Geschichte der Metaphysik, Stuttgart-Bad Cannstatt 2001; T. S. Gendler, u.a. (Hg.): Conceivability and possibility, Oxford/New York 2002.

Gewünschte Vorbereitungen der Teilnehmerinnen

Lektüre der angegebenen Literatur.