Gegenstand der
Veranstaltung
Die neue
Mythosdiskussion, deren Beginn man mit dem von Manfred Fuhrmann 1971
herausgegebenen Band Terror und Spiel markieren kann, ist maßgeblich dadurch
gekennzeichnet, dass sie mit der Wendung gegen die traditionelle
Konfrontation von Mythos und Logos und gegen das universalgeschichtliche
Konzept eines Weges vom vorrationalen Mythos zur Rationalität des Logos die
Präsens mythischer Vorstellungen unter dem Gesichtspunkt der
Rationalitätskritik versteht. Das Thema Mythos gehört zu der Frage, wie sich
die Moderne gegenwärtig transformiert und die Arbeit am Mythos zur Frage einer Selbstaufklärung der Vernunft.
Aufgabe der
Vorlesung wird es nun allerdings sein, zu zeigen, dass der Mythos nicht nur
Relevanz für eine Rationalitätskritik besitzt, sondern dass dem Wissen um
dasjenige, welches im Mythos zum Ausdruck gebracht wird, nicht nur für eine
individuelle und kulturelle Identitätsfindung und deren Stiftung, sondern
auch für das Werden und die Entfaltung der Person existenzielle Bedeutung zukommt. Damit ist der Mythos nicht bloße
Funktion und die Mythologien Derivate einer sich angesichts der Unergründlichkeit
von Welt rationalisierenden Urangst, sondern ursprünglich Sinn, der sich in
den Welterschließungs- und Weltgestaltungsmöglichkeiten des Menschen zeigt.
Dieser existenziellen Bedeutung gilt es anhand einschlägiger Texte von der
Neuzeit bis in die Gegenwart nachzuspüren, um die ethischen Implikationen
freilegen zu können, die mit einer solchen Bedeutung des Mythos und der
Mythologien verbunden ist.
In Ergänzung zur Vorlesung kann ein Proseminarschein
erworben werden. Die Möglichkeit zum Erwerb dieses Scheines ist an die
regelmäßige Teilnahme an der Vorlesung und an der Blockveranstaltung zur
Vorlesung gebunden.
Weitere Informationen finden Sie im
laufenden Semester unter
www.philosophie.uni-mainz.de/graetzel/
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